Beim Notruf melden sich Mädchen, die aufgrund der erlittenen Gewalt völlig verzweifelt sind. Oft halten die Mädchen viel zu lange aus, bevor sie sich Hilfe holen. Am Telefon werden wir zu Zeugen ihrer Angst, aber auch ihres Mutes:
Das Telefon mit der Nummer 914 00 00 klingelt. Ein Mädchen meldet
sich mit leiser Stimme.
Verängstigt berichtet sie, dass sich mehrere Männer in der
Wohnung aufhalten. Sie lebt mit dem Vater allein. Sie möchte nicht
sagen, warum sie solche Angst vor den Männern hat, aber sie will
nur noch weg. Dann muss sie aber an den Männern vorbei. Wie lang
ist der Flur? Weiß nicht. Wie oft passt dein Bett der Länge
nach hinein. 3x. Dann sind es ca. sechs Meter, dass schaffst Du. Sie
ruft wieder an. Ich bin jetzt im Bad. Die Hälfte des Flures war
geschafft, die Männer hatten sie nicht bemerkt. Sie muss sich
jetzt entscheiden, ob sie ihren ganzen Mut noch einmal zusammen nimmt
oder zurück in ihr Zimmer geht. Ich höre erst am
nächsten Mittag wieder von ihr.
Dem Telefonat waren schon einige Gespräche vorangegangen. Auch wenn das Mädchen keine Auskunft darüber gegeben hatte, was ihr eigentlich passierte, war klar, dass sie sich in einer Notlage befand und das schon sehr lange. Am Telefon hatten wir versucht zu klären, wer in ihrem Umfeld helfen könnte. Sie wollte auf keinen Fall die Polizei rufen. Aus Sorge, dass jemand gegen ihren Willen die Polizei rufen könnte, blieb sie anonym und so wusste der Notruf nicht, wo sich das Mädchen befindet. Nachdem der Schritt aus der Wohnung geschafft war, bekam sie die Hilfe, die sie benötigt.
Jedes Kind und jeder Jugendliche hat ein Recht darauf in Obhut
genommen zu werden, das ist gesetzlich geregelt ( §42 SGB VIII)!
Sogar zuerst ohne Angabe von Gründen. Die Zuflucht für
Mädchen ist ein Ort, an dem in Bonn in Obhut genommen werden kann.
Da die Adresse der Zuflucht anonym ist und bleiben soll, erfolgt die
Aufnahme meist über die Jugendschutzstelle Wilhelmstrasse 38a oder
die Notschlafstelle Maxi 42 (Maximilianstrasse 42, gegenüber vom
Hauptbahnhof in Bonn). Die Kolleginnen helfen dann weiter. Es kann aber
auch ein anderer Treffpunkt verabredet werden.
Das ist so, damit man sich in der Zuflucht sicher fühlen kann.
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